Ein Montagmorgen wie jeder andere. Ich werde begrüßt von einem Anruf, dass nun alles auf dem angemieteten Server funktioniere. Außer Open Exchange und das Mailformular. Toll. Alles andere funktionierte auch VOR sieben Uhr. Was ich brauche, immer noch nicht. Das aber hätte auch nach dem Aufwachen nicht funktioniert. Ganz sicher.
Aber es gibt sie eben, diese Anrufe, die einen mit Neuigkeiten wie „…und der Himmel befindet sich heute oben!“ überraschen – kein Wunder, mich das aus dem Schlaf haut – und die Kaffeemaschine, nö, ne? Heißes Wasser aus der Kane raus, Filter mit Kaffee rein, kaltes Wasser rein, Resetknopf – wie heißt wohl das Ding an der Kaffeeaschine? Update kann’s nicht sein. Egal, steht nix drauf, leuchtet aber. Einfach drücken.
In der Zwischenzeit ist auch das andere Auge leicht geöffnet. Ja, die Lider ziehen noch Fäden, es war ne lange Nacht und meine Augäppel sehen aus wie der Wein von gestern. Der Tag draußen möchte rein und hat die Farbe meines Gesichts. Deswegen bleibt er draußen. Und ich drin. Vorerst.
Der Kaffee läuft nicht. Über den Knopf nachdenken allein reicht nicht. Mal eben den Cache geleert, dabei fällt mir ein: wollte ich nicht den Mül runter bringen? Die Tüte stinkt, der Abfluß stinkt, mir stinks und der Bildschirm ist immer noch einfach nur hell . Und die Dachziegel nass. Toll. Näää, ich bleibe heute daheim. Deadline morgen. Noch nicht eine Zeile geschrieben. Ich schrieb darüber. Immerhin.
Der Kaffee lief. Nie ist das verdammte Küchentuch da, wenn man’s braucht. Hab mich über das Plätschern schon gewundert. Gebrauchten Filter in die Mülltüte. Fällt daneben, danke, ja ja, ab und an runtertragen. Also die volle in den Flur. Hätte ich wissen müssen. Die Dinger stehen nie. Schwerpunkt zu weit oben, falsche Seite zum Anlehnen. Müllschippe und Handfeger waren wo? Später. Zu spät. War klar, dass die Hunde was riecht. Himmel.
Neuer Filter. Frisches Pulver. Klares, kaltes Wasser. KANNE UNTERSTELLEN. Resetknopf – wie heißt wohl das Ding an der Kaffeeaschine? Update kann’s nicht sein. Egal, steht nix drauf, leuchtet aber. Einfach drücken. Stand weiter oben schon? Ist auch derselbe Knopf. DRÜCKEN. Danke. Ist Heiner Müller noch tot?
Warum tropft nix? Warum hat der Toaster das Bräunen eingestellt? Warum zeigt das Notebook den Akkustand? Warum ist Ratzinger Papst? Himmel. Die Hunde haben kein Wasser. Also: erst Kaffee. Wenn Kaffee fertig, Weißbrotgriller. Sonst Sicherung. Das hat nix mit dem Papst zu tun, aber man fragt sich. Nach wie vor ist das Textfeld jungfräulich. Man fragt sich auch das.
Meine Seele schreit nach Kaffee, mein Nachbar nach seiner Frau, die Pflanzen nach Wasser, die Fische nicht. Himmel, nicht, dass sie nicht nach Wasser schreien… – schlimm, wer meine Texte so liest, einfach nur schlimm, sie schreien natürlich überhaupt nicht, Mädels, deswegen habe ich sie ja. Verstanden, die Pointe? Bei Cindy aus Marzahn lacht ihr doch auch immer, oder? Bitte lest morgen woanders. Und tschüss. Schneller tönt es zwischen den Ohren und dar Kaffee ist immer noch nicht durch. Ach ja, die Sicherung.
ICH KANN MICH NICHT KONZENTRIEREN! Aber im Flur, bei den Sicherungen, muss ich gewesen sein. Die Kaffepulverspuren weisen von dort zu mir zurück. Stimmt, die Mülltüte. Hauptsache, meine Seele bekommt ihren Kaffee. UND ICH MEINE RUHE! Wo war ich stehen geblieben? Heiner Müller, genau.
Die Lösung? Vom Balkon…